FREUDE AM SPIELEN

Klavier-Ausstellung auf 1600 m² direkt neben der Dresdner Frauenkirche.

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Dresdner Neueste Nachrichten - Wahres Schmuckstück

Wahres Schmuckstück

Dresdner Neueste Nachrichten, Ausgabe vom 30.08.2004, von Gerhard Böhm.

Piano-Salon eröffnet Festsaal in Dürrröhrsdorf-Dittersbach

Kilometer von der östlichen Stadtgrenze entfernt, ist ein Festsaal entstanden, eher still und heimlich, nicht in der Großstadt, sondern eben „auf dem Lande“, in der Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach, die bekanntlich seit Jahren in ihren kulturellen Bestrebungen vorbildlich zu nennen ist. Es sei nur auf die Wiedererweckung des sehr rührigen Quandt-Vereins hingewiesen, die Renovierung der früheren Goethe-Gedenkstätte auf der Schönen Höhe mit den bedeutsamen Fresken, das Hofmannsche Gut des Kunstmalers, Graphikers und Plastikers Hermann Naumann nebst Galerie-Ausstellungen und –Konzerten, auf die Silbermann-Orgel, auf das Schloss, den Park. Dürrröhrsdorf ist auch die Heimstätte der Klavierbaufirma Bert Kirsten, die mit Kompagnon Daniel Zeitler ebenfalls in der Landeshauptstadt am Palaisplatz als Dresdner Piano-Salon präsent ist und das kulturelle Leben an beiden Standorten seit Jahren durch Konzerte und andere Aktivitäten bereichert.

Nun ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Mit unheimlich viel Eigeninitiative und zahlreichen Helfern ist in Dürrröhrsdorf im Objekt der Firma ein eigener Festsaal entstanden, ein wahres Schmuckstück, das sich weit und breit sehen lassen kann. Zur festlichen Eröffnung am Wochenende füllte sich, trotz parallel laufender Kirmes, der etwa 200 Personen fassende Raum mit zahlreichen Besuchern aus nah und fern. Begrüßung, Glückwünsche von Landrat und Bürgermeister und ein kleines, aber feines Konzert, natürlich mit Klaviermusik, durfte nicht fehlen, die hochgestimmte Feierstunde sinnvoll zu umrahmen. Daniel Heyne weihte den Saal musikalisch ein mit Präludium und Fuge As-Dur aus Bachs Wohltemperiertem Klavier (Teil 1), klar und überlegen strukturiert in der Anlage, später gefolgt von den Drei Preludes von George Gershwin, in denen vor allem der straff federnde Rhythmus als prägendes, vitales Element hervortrat (Nr. 1 und 3), während in Nr. 2 das Klangkoloristische dominierte. Den grandiosen Beschluss bildete Mussorgskis „Großes Tor von Kiew“ aus den „Bildern einer Ausstellung“, ebenfalls kontrolliert angelegt und klug gesteigert bis zum effektvollen hochvirtuosen Finale.

Daniel Heynes gelungener Vortrag vermittelte darüber hinaus einen sehr guten saalakustischen Eindruck. Der Bechstein-Flügel (Sponsoring: Bechstein-Gruppe Berlin) war auch auf der letzten Reihe ausgezeichnet zu vernehmen, wobei der Klang unverfälscht seinen intimen, kammermusikalischen Charakter bewahrte. Auch das gesprochene Wort war ohne elektronische Verstärkung gut hörbar, als Bert Kirsten in seiner Rede auf die Historie des Saales einging: ursprünglich Tanzsaal einer beliebten Dorfgaststätte mit reichem gesellschaftlichen Leben, den Kirmes- und Vereinsbällen, Theateraufführungen, Chorveranstaltungen usw. (Müllers Gasthof), nach 1945 zweckentfremdet: Schuhverkauf und Lagerraum, Turnhalle …

Besonderer Dank gebührte der Naundorfer Malerin Leonore Thielemann, die sich für die Konzeption der Renovierung verantwortlich zeichnete und zur festlich-freundlichen Saalatmosphäre sechs großformatige Bildschöpfungen, thematisch der Saalnutzung angepasst, beisteuerte.

Schon einen Tag später folgten weitere Eröffnungsveranstaltungen: Swing mit Heinz Kretzschmar / Uwe Rössler, Pantomime Ralf Herzog – Großer Eröffnungsball mit der Gala-Band Jazzacuda – Boogie-Woogie mit dem Thomas-Stelzer-Trio – Konzerte mit dem Pirnaer Kammerorchester, der Musikschule „Sächsische Schweiz“. Last but not least: Große Versteigerung von etwa 40 Klavieren an Musikfreunde und solche, die es werden wollen.