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Sächsische Zeitung - Ballsäle einst und jetzt: Aus dem Ballsaal wird ein Pianosalon

Ballsäle einst und jetzt: Aus dem Ballsaal wird ein Pianosalon

Sächsische Zeitung, Ausgabe vom 31.08.2009, von Matthias Haßpacher.

Dürrröhrsdorf/Dittersbach. Der Saal des alten Gasthofs in Dürrröhrsdorf hat in den letzten 104 Jahren viel erlebt. Er war auch schon Turnhalle und Kantine.

Im Jahre 1885 wurde der Gasthof Müller gebaut. Zehn Jahre später bekam dieser einen Anbau mit einem 260 Quadratmeter großen Saal sowie einer großen Bühne.

Um einen Saal in dieser Größe überhaupt errichten zu können, wurde die Bühne kurzerhand auf massive Sandsteinfüße gestellt und überspannt seitdem den Dorfbach. Danach stand dem Tanzvergnügen nichts mehr im Wege. Genutzt wurde der Saal um 1920 auch als „Kasino junger Landwirte von Dürrröhrsdorf und Umgebung“, wovon noch heute eine großformatige Fotografie zeugt.

Bert Kirsten kann sich an Tänze auf dem Saal allerdings nicht mehr erinnern. „Ich weiß nur noch, dass ich 1975 als zehnjähriger Schüler in dem Saal Sportunterricht hatte.“ Kirsten, der den Gasthof mit dem dazugehörigen Ballsaal 1995 kaufte, weiß von Erzählungen seiner Eltern und auch deren Eltern, dass sich mit dem Saal viele Erinnerungen der Dürrröhrsdorfer verbinden. „So wurde in den 1930er und 1940er-Jahren zum jährlichen Raschelball eingeladen. Das war ein Tanz, zu dem das bunte Herbstlaub in den Saal geschafft wurde, der unter den Füßen der Tanzpaare wunderbar raschelte.“

Reck stand auf der Bühne

Bekannt ist auch, dass der Saal von der damalige Besitzerin Hedwig Müller kurz nach dem zweiten Weltkrieg noch einmal renoviert worden war. „Doch sie war wohl schon zu alt, um das Gasthaus und den Saal weiter zu betreiben“, erzählt der 43-Jährige Kirsten. „Seit 1950 wurde der Saal nämlich als Turnhalle genutzt.“ Dabei stand ein Reck auf der Bühne und es hingen Ringe von der Decke herab. In den Wintermonaten flogen auch Fußbälle durch den Saal. Mitte der 1970er-Jahre wurde der Saal zu einer Betriebskantine umgebaut. „Dazu wurden Wände eingebaut, die Decke abgehangen und auf der Bühne Toiletten eingebaut“, erzählt Kirsten. Ein großer Koksofen im Außengelände heizte den Saal über Blechkanäle, deren Wärme durch aufgesägte Löcher im Parkett geleitet wurde.

Nach 1989 stand das Gebäude mehrere Jahre lang leer. Bert Kirsten hatte in dieser Zeit seine Pianowerkstatt aufgebaut und suchte dringend nach Räumen für die Erweiterung seiner Werkstatt. So kaufte er den Gasthof 1995 und richtete eine Werkstatt und Wohnräume ein. Der Ballsaal wurde lediglich entkernt. „Aber bei meinem täglichen Gang durch die Ruine stand für mich schon bald fest, dass ich den Saal wieder herrichten werde“, erinnert sich Kirsten. So griff er selbst zum Pinsel, verzierte die Decke mit Malereien und setzte eine Holzborte rund um den Saal. Auch die Bühne bekam wieder die markante Muschelform. „Der Putz wollte und wollte anfangs nicht halten, aber irgendwann haben wir es schließlich doch geschafft“, sagt Bert Kirsten lachend.

Konzerte und Bälle

Im Jahr 2004 konnte der Ballsaal eingeweiht werden. Seitdem fanden hier viele klassische Konzerte, Bälle und Kabarettveranstaltungen statt. „Leider tragen sich die Veranstaltungen hier auf dem Land nicht“, bedauert Kirsten, der mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn Felix im Haus eine neue Heimat gefunden hat. „Deshalb werden wir den Saal in Zukunft als weitere Ausstellungsfläche für unsere Klaviere nutzen.“ Aber das jährliche Weihnachtskonzert der Musikschule Sächsische Schweiz wird weiter im ehemaligen Dürrröhrsdorfer Ballsaal stattfinden. „Dann sehen wir weiter, wie es sich entwickelt. Der Saal hat ja schon viel erlebt. Wenn die Zeit es bringt, wird hier auch wieder getanzt und gespielt“, ist sich Bert Kirsten sicher.

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