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Ostthueringer Zeitung - Ein Flügel für den Palast der Gemeinde Kroelpa

Ein Flügel für den Palast der Gemeinde Krölpa

Ostthüringer Zeitung, Ausgabe vom 09.04.2011, von Peter Cissek.

Krölpa gibt grünes Licht für den Neuaufbau des über 100 Jahre alten Blüthner-Flügels. Über 30 Prozent der Kosten sollen über Spenden und Lottomittel finanziert werden. Der Schlossanbau wird bis Jahresende fertiggestellt.

Krölpa. Die Gemeinde Krölpa will ihren im Bau befindlichen Mehrzwecksaal-Schlossanbau mit einem Konzert-Flügel krönen. Nach langer Diskussion beschloss der Gemeinderat am Donnerstagabend mehrheitlich, den gemeindeeigenen Blüthner-Flügel für knapp 16.500 Euro von der Firma Dresdner Piano Salon neu aufbauen zu lassen. Mindestens 30 Prozent der Kosten möchte die Gemeinde durch Spenden und Lottomittel finanzieren, den Rest über den Haushalt.

Der über 100 Jahre alte Blüthner-Flügel habe lange Zeit unbeachtet in der Krölpaer Schule gestanden. „Bevor das Instrument noch als Abstellfläche endet, nehme ich es lieber mit ans Pößnecker Gymnasium“, sagte sich Musiklehrer Berndt Winter vor vielen Jahren. Jetzt, wo er in den Ruhestand getreten ist, habe er die Leihgabe wieder mit in seine Heimatgemeinde gebracht.

Doch nicht jedes Gemeinderatsmitglied konnte sich mit dieser Idee anfreunden. „Wir brauchen in einer 2800-Einwohner-Gemeinde keine zwei Flügel“, sagte Armin Hanft (FWG). Er schlug vor, eines der beiden Instrumente zu verkaufen und mit dem Erlös und Spenden die Reparatur des verbliebenen zu finanzieren. „Wie sollen wir das der Bevölkerung erklären, dass wir an der Straßenbeleuchtung sparen, aber zu diesem Zweck Geld haben“, fragte Harald Pitzing (FWG).

Neu koste ein solcher Flügel 130.000 Euro, allerdings ohne Elfenbeintasten, über die das Krölpaer Instrument verfüge. Der Handelspreis für einen neu aufgebauten „Blüthner“ liege bei 35.000 Euro. Der Zeitwert des unsanierten Flügels sei dagegen „relativ gering“, antwortete der zur Sitzung anwesende Dresdner-Piano-Salon-Geschäftsführer Bert Kirsten. Sein Unternehmen gäbe nach dem Neuaufbau, der ein viertel Jahr dauert, zehn Jahre Garantie. „Doch der Flügel hält mindestens 70 bis 80 Jahre“, sagte der Klavierbaumeister. Er rief den Gemeinderatsmitgliedern ins Bewusstsein, dass dieser Flügel Geschichte habe, die mit dem Ort in Verbindung stehe. Mit diesem Instrument verfüge die Gemeinde in ihrem neuen Mehrzwecksaal über ein Alleinstellungsmerkmal, das sich nicht nur für klassische Konzerte eigne. Krölpa könnte auch Jazz-Musiker leichter zu Veranstaltungen locken, nannte Kirsten als Beispiel. Sein Unternehmen, das bei der Ausschreibung über 7.000 Euro günstiger war als die Blüthner Pianofortefabrik Leipzig als Zweitplatzierte, bot der Gemeinde an, die zweite Rate der Rechnung erst Ende 2012 zahlen zu müssen. Bis dahin will sich Krölpa um Sponsoren kümmern. Außerdem will der Gemischte Chor des Pößnecker Gymnasiums nach seiner Kanada-Tournee im kommenden Monat sich in Krölpa ansiedeln und mit Benefizveranstaltungen Spenden für die Flügelsanierung einholen, sagte Chorleiter Berndt Winter.

Der Gemeinderat gab auch grünes Licht für das Gestaltungskonzept des Schloss-Anbaus, das Torsten Bude, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Sigma Plan Weimar, vorstellte. Von außen werden Glas, Metall und Beton die Ansicht dominieren. Gegenwärtig seien die Firmen dabei, die Verzögerungen bedingt durch die lange Winterpause wieder aufzuholen. Der Millionenbau soll bis Ende des Jahres fertiggestellt werden. Allerdings lehnte der Gemeinderat den Einbau einer zweiten zweiflügeligen Tür in der Saalfassade für gut 8.000 Euro ab. „Ich bin gegen ständige Erweiterungen, die das Vorhaben verteuern. Anfangs haben wir über einen Sportsaal für die Schule gesprochen. Jetzt bauen wir zwar keinen Palast der Republik, aber einen Palast der Gemeinde“, kritisierte Gunter Schlupeck (Die Linke).

Peter Cissek / 09.04.2011 / OTZ

Den Originaltext finden Sie hier.