FREUDE AM SPIELEN

Klavier-Ausstellung auf 1600 m² direkt neben der Dresdner Frauenkirche.

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Saechsische Zeitung - Prinz am Piano

Prinz mit Piano

Sächsische Zeitung, Ausgabe vom 05.05.2012 von Henry Berndt.

Sebastian Krumbiegel will im Dresdner Solokonzert nicht belehren und macht es trotzdem pausenlos.

Es kratzte sich keiner. Das geheime Zeichen hatte Sebastian Krumbiegel für Zuschauer seines Konzerts angeregt, wenn er mal wieder zu viel rede, statt in die Tasten zu hauen. Immerhin war ja ein Konzert angekündigt im Dresdner Piano Salon an der Frauenkirche.

Bis auf den letzten Platz ist der kleine Konzertraum mit den engen Stuhlreihen gefüllt. Die Luft ist schlecht. Krumbiegel will nicht belehren, sagt er – und tut es doch ohne Unterlass. Das allerdings so unterhaltsam, dass das Publikum an seinen Lippen hängt, mit ihm lacht und mit ihm wütend ist – über die Nazis zum Beispiel, bei deren Parolen ihm immer noch regelmäßig schlecht werde.

In den Titeln, die zum großen Teil von seinen beiden Soloplatten „Geradeaus abgebogen“ (2004) und „Tempelhof“ (2010) sowie dem neuen Album „Solo am Piano“ stammen, verarbeitet Krumbiegel äußerst melodisch seine Meinungen zu Gott und der Welt – und nimmt sich auch mal selbst aufs Korn. Etwa im dem Lied „Klavierspieler des Jahres“, in dem er seine 2004 erhaltene Auszeichnung zum obersten Ziel allen menschlichen Strebens erklärte.

Es ist ein anderer Krumbiegel als der, der mit den Prinzen seit zwei Jahrzehnten mit dem „Millionär“ und „Küssen verboten“ seine Partys feiert. Hier spielt ein fast weiser Chansonnier auf, ein sensibler Künstler, der die Reaktion seines anspruchsvollen Publikums liebt und fürchtet zugleich.

Immer wieder faltet Krumbiegel die Hände zur Dankesgeste zusammen. Danke fürs Zuhören will er sagen. Er erzählt von der Angst, nachdem er vor fast zehn Jahren in einem Leipziger Park zusammengeschlagen wurde und von den eindrucksvollen Treffen mit Udo Lindenberg und Rio Reiser in Hamburg. Einige ihrer unbekannteren Meisterwerke hat er mitgebracht.

Erst nach zwei Stunden fragt Krumbiegel vorsichtig in die Runde: „Sag mal, Dresden, könnt ihr eigentlich auch so richtig abgehen?“ Daraufhin bearbeitet er seinen edlen Flügel mit schweißtreibender Energie – und bringt die Zuhörer immerhin zum rhythmischen Mitklatschen. Sogar einzelne Johler sind zu hören. Auf den Stühlen tanzt niemand – aber es sind ja auch nicht die Prinzen.