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Sächsische Zeitung - Wie ein Flügel auf den Ochel-Fels kommt

Wie ein Flügel auf den Ochel-Fels kommt

Sächsische Zeitung, Ausgabe vom 31. Mai 2019, von Anja Weber.

Zu Christi Himmelfahrt gab es ein besonderes Konzert an einem besonderen Ort Das sorgt für Überraschungen.Herrentag Mittag in Waitzdorf. Zur Runde der Männertagsausflügler gesellen sich Familien, junge Leute mit Picknickkörben in der Hand und Decken unter dem Arm. Sie wollen das besondere Konzert an einem besonderen Ort nicht verpassen Es sind Verwandte, Bekannte und Freunde von Bert Kirsten vom Piano-Salon Kirsten und Dirk Ebersbach von der Tastenschule.

Beide feiern in diesem Jahr ihr Geschäfts-Jubiläum, einmal 30 und einmal 25 Jahre. „Deshalb sind es in diesem Jahr auch ein paar Leute mehr und wir haben uns das auch alles genehmigen lassen“, sagt Dirk Ebersbach. Denn die Musiker und Zuschauer betreten mit der Kernzone des Nationalparks ein sozusagen streng geschütztes Gebiet, was sie auch bald zu spüren bekommen. Ihr Ziel ist der Ochel-Fels an der Waitzdorfer Aussicht.

Zunächst wird jedoch vorsichtig der Flügel aus dem Auto und auf einen Rolli umgeladen. „Wer kann etwas mit tragen?“, ruft Bert Kirsten in die Menge. Und diejenigen, die weder Picknickkorb noch Decke dabei haben, fassen mit an. Hocker, die Stützen des Flügels, Rollbretter für den Transport, Bretter, Holzklötze zum Unterlegen müssen zum Konzertort. Mittlerweile haben sich noch mehr Zuschauer eingefunden. Einige, laufen schon in Richtung Waitzdorfer Aussicht. Die „Prozession“ setzt sich in Bewegung. Vorneweg Dirk Ebersbach und Bert Kirsten mit ihren Helfern. Vorsichtig wird der Flügel auf seinem fahrbaren Untersatz über Steine und Wurzen gehievt, an Schlammpfützen vorbei balanciert. Den Männern steht der Schweiß auf der Stirn. „Ich kann auch mal schieben“, ruft einer aus der Menge. Jede Hand wird gebraucht. Der junge Mann legt sich einen Tragegurt um und hilft. Andere sind schon vorausgeeilt, um an schwierigen Stellen mit den Rollbrettern den Weg zu ebnen. Die Stimmung ist bestens. „Wir haben uns schon richtig auf das Konzert gefreut. Die Atmosphäre auf dem Felsen ist einzigartig“, sagt Lisa Sembdner. Die Dresdnerin war mit ihrem Mann schon im vergangenen Jahr hier. „Nur leider hatten wir keinen Fotoapparat mit. Den haben wir dieses Mal zum Glück nicht vergessen“, sagt sie. Wunderschöne Motive von dem herrlichen Ausblick gibt es ausreichend.

Zunächst nimmt die Prozession aber einen kleinen Umweg, um den Flügel nicht auch noch durch Gestrüpp manövrieren zu müssen. Der Fels ist schon zu sehen. Und jetzt erklärt sich auch, weshalb manche Zuhörer fast dahin gesprintet sind. Das Plateau ist nicht sehr groß, zeitiges Kommen sichert auch hier die besten Plätze. Die Ersten haben schon ihre Brötchen, Bier und Limonade ausgepackt. Die ersten Gläser Prosecco drehen die Runde. „Ist dieser Ausblick nicht grandios. Und dann noch Musik dazu. Besser kann es heute gar nicht werden“, sagt eine junge Frau. Inzwischen ist die Prozession mit Flügel angekommen.

„Das Beste folgt jetzt. Wir müssen den Flügel auf den Fels hieven“, sagt Bert Kirsten. Doch so schnell sollte das nicht gehen. Während die Männer eingeklemmt in der Felsspalte versuchen, den Flügel nach oben zu bewegen, kommt ein Nationalparkranger und fragt nach den Genehmigungen, auch nach der für das Filmteam vom MDR. „Hier ist die Kernzone des Nationalparks. Das, was sie hier machen, geht so nicht“, schimpft der Mann und fordert einige Zuschauer auf, sofort auf den Weg zurückzukommen. Sie könnten doch nicht die Pflanzen zertrampeln und was überhaupt gedreht werde, wollte er wissen. Bert Kirsten versucht, zu beruhigen. „Das sind keine Dreharbeiten. Wir geben ein Konzert“, sagt er. Die Genehmigungen habe er auf seinem Handy. Erst müsse aber der Flügel auf den Felsen. Vielleicht wolle der Ranger mit anfassen. Will er nicht. Er telefoniert und zieht von dannen. Etwas ungläubig wegen der Szenerie blicken ihm einige der Besucher hinterher. „Bei den Ranger-Dreharbeiten hat der Nationalpark auch keinen Aufriss gemacht. Da wurde sogar einiges umgebaut“, sagt eine Frau. Die Stimmung lassen sie sich nicht vermiesen. Der Flügel wird hin und her gedreht, Bretter untergeschoben. Plötzlich kippelt er. Bloß nicht abstürzen. Alles ist gut gegangen. Dirk Ebersbach wischt sich den Schweiß mit einem Tuch ab, rückt den Zylinder zurecht und haut in die Tasten. Die Musik und der Ausblick entschädigen. Das besondere Konzert einem besonderen Ort kann beginnen.

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